Ein Blick hinter die Kulissen: Die Entstehung einer Skulptur
Vom inneren Thema zur Form in Stein
Eine Skulptur entsteht bei mir nie aus einer fertigen Vorstellung. Sie beginnt mit einem Thema, das eine Form sucht. Manchmal beginnt diese Form mit Skizzen, die eine innere Bewegung des Themas erkunden und die ich dann mit in den Stein nehme. Meist beginnt diese Suchbewegung jedoch mit dem Stein im Dialog.
Ganz schön lässt sich dieser Prozess am Beispiel der Skulptur “die jetzt lächelt” erzählen.
Bei ihr begann dieser Weg mit der Beschäftigung des Themas für die Serie „schlicht gelassen". In dieser Serie geht um ein Spannungsfeld, das viele kennen: dem ständigen Vergleichen mit anderen und dem eigenständigen Erblühen. Der Leitgedanke für diese Skulptur lautete:
Unbeschwertheit ist der stille Luxus, sich selbst zu genügen.
Ein Leitgedanke gibt keine fertige Form vor. Es ist vielmehr wie eine Frage, die in mir klingt, und die eine innere Richtung bestimmt, an der ich mich während der Arbeit immer wieder orientieren kann.
Der passende Stein
Für „die jetzt lächelt", die 2025 entstanden ist, habe ich einen hellen Fränkischen Jura gewählt. Er hatte die passende Größe, das passende Format und eine Helligkeit, die zum Thema passte. Am Ende wurde die Skulptur 35 x 22 x 29 cm groß und wiegt 15,5 kg.
Direkt am Stein
Ich arbeite bei freien Skulpturen ohne Modelle. Manchmal trage ich schon die erwähnte skizzierte Bewegung mit in den Beginn der Form, meist ist es jedoch ein dialogisches In-Bewegung-gehen mit dem Stein, wie ein Tanz. Mit dem gröbsten Werkzeug, das ich habe, entsteht im Drehen und Wenden ein erster Ansatz der Form. Von da an nähere ich mich ihr Schicht um Schicht an. Der bedeutendste Moment ist der Moment, in dem eine Form lebendig wird. Wenn aus dem Stein etwas Wesenhaftes hervortritt, das ich nicht machen kann, sondern nur wahrnehmen und weiterverfolgen. Im gesamten Arbeitsprozess und insbesondere in diesem Weiterverfolgen trägt mich eine stille Präsenz, eine Verbundenheit mit mir selbst und dem Stein. Meine langjährige Erfahrung schenkt mir die Leichtigkeit in der handwerklichen Präzision, der gestalterischen Ästhetik und der künstlerischen Offenheit, über die ich nicht nachdenken muss. Deswegen gilt mein wichtigster Fokus der Präsenz im Dialog mit dem Stein.
Momente der Klärung
Bei „die jetzt lächelt" gab es einen ersten entscheidenden Moment: Zunächst hatte sich die Form eher liegend ausgerichtet. Durch eine Drehung veränderte sich diese Ausrichtung und aus der liegenden wurde eine aufgerichtete Form. Aufgerichtet wirkte sie direkt stimmiger mit dem Thema und war sogar besser balanciert. Solche Momente entstehen im Prozess, im Schauen, Drehen, Prüfen, Nachspüren. Die Ausgangsfrage bleibt, aber die Form wird genauer.
Der Feinschliff
Innerhalb der sieben Schleifstufen gab es bei „die jetzt lächelt" einen zweiten entscheidenden Moment. Denn ich merkte: Sie hatte nichts von der Unbeschwertheit, nach der ich gesucht hatte. Irgendwie machte sie mich traurig. Also staubte ich sie ab und setzte mich zu ihr, nahm mir Zeit, mich hineinzufühlen und herauszufinden, was diese Wirkung verursachte. Es brauchte keine große Korrektur, nur eine kleine, aber prägnante Veränderung in der Linienführung. Eine kaum merkliche Biegung. Und die Stimmung kippte von Schwere zu stiller Heiterkeit.
So bekam sie ihren Titel: „die jetzt lächelt".
Wenn die Form selbstverständlich wird
Der Titel entsteht bei mir nie am Anfang, sondern erst wenn die Skulptur vollendet ist und sich zeigt, was in ihr sichtbar geworden ist. Für mich ist eine Skulptur fertig, wenn zwischen Ausgangsthema und Form ein Einklang entstanden ist. Dann, wenn nichts mehr erklärt werden muss.
Bei „die jetzt lächelt" zeigt sich das in einer stillen Heiterkeit, die nichts beweisen muss:
Es ist, wie es ist. Ich bin da. Und lächle.
So entsteht aus einem inneren Thema, einem dazu passend gewählten Stein, vielen präzisen Entscheidungen und Präsenz eine Skulptur, die als eigenständiges Gegenüber im Raum steht.
Einblicke in meine Werke
Der hier beschriebene Weg vom Thema und Leitgedanken über den Stein bis zu den entscheidenden Momenten im Prozess ist kein Einzelfall, sondern die Arbeitsweise, die all meinen Skulpturen zugrunde liegt.
Übergeordnetes Thema ist für mich die Verortung: das Ankommen im eigenen Inneren ebenso wie im Äußeren - wie ein Nachhausekommen, in dem ich mich sicher und aufgehoben fühle, verbunden mit einem Großen Ganzen. Innerhalb dieses Themas untersuche ich in Serien wie „schlicht gelassen" unterschiedliche Spannungsfelder. Dazu sind in der Vergangenheit etliche freie Einzelarbeiten ohne Serienbezug entstanden, und auch Auftragsskulpturen folgen derselben Haltung und Formensprache.
Jede Skulptur nähert sich diesem Thema auf ihre eigene Weise.
Wenn du sehen möchtest, wie sich das zeigt, wirf gerne einen Blick in mein Portfolio.