Ein Blick hinter die Kulissen: Die Entstehung einer Skulptur
Vom inneren Thema zur Form in Stein
Eine Skulptur entsteht bei mir nie aus einer fertigen Vorstellung. Sie beginnt mit einem Thema, das eine Form sucht, und erst im Arbeiten am Stein zeigt sich, welche Richtung diese Form nehmen will.
Bei der Skulptur „die jetzt lächelt" begann dieser Weg mit der Serie „schlicht gelassen". Es geht darin um ein Spannungsfeld, das viele kennen: dem ständigen Vergleichen mit anderen und dem eigenständigen Erblühen. Die Leitfrage zur Skulptur lautete:
Unbeschwertheit ist der stille Luxus, sich selbst zu genügen.
Sie gibt keine fertige Form vor, aber eine innere Richtung, an der ich während der Arbeit immer wieder prüfen kann: Stimmt die entstehende Form noch mit dem überein, was sie ausdrücken soll?
Der passende Stein
Für „die jetzt lächelt", die 2025 entstanden ist, habe ich einen hellen Fränkischen Jura gewählt. Er hatte die passende Größe, das passende Format und eine Helligkeit, die zum Thema passte. Am Ende wurde die Skulptur 35 x 22 x 29 cm groß und wiegt 15,5 kg.
Direkt am Stein
Ich arbeite bei freien Skulpturen ohne Modelle und ohne vorgezeichnete Form. Am Anfang steht so etwas wie ein Tanz mit dem Stein: Mit dem gröbsten Werkzeug, das ich habe, entsteht im Drehen und Wenden ein erster Ansatz der Form. Von da an nähere ich mich ihr Schicht um Schicht an. Mit jeder Schicht werden auch die Werkzeuge feiner, bis die Form am Ende ihr Wesenhaftes zeigt. Über 30 Jahre Erfahrung mit Stein tragen mich dabei: Sie erlauben mir, der Form zu folgen, ohne jeden Handgriff bewusst durchdenken zu müssen. So können sich handwerkliche Präzision und künstlerische Offenheit die Waage halten.
Momente der Klärung
Bei „die jetzt lächelt" gab es einen ersten entscheidenden Moment: Zunächst hatte sich die Form eher liegend ausgerichtet. Durch eine Drehung veränderte sich diese Ausrichtung und aus der liegenden wurde eine aufgerichtete Form. Aufgerichtet wirkte sie direkt stimmiger mit dem Thema und war sogar besser balanciert. Solche Momente entstehen im Prozess, im Schauen, Drehen, prüfen Nachspüren. Die Ausgangsfrage bleibt, aber die Form wird genauer.
Der Feinschliff
Innerhalb der sieben Schleifstufen gab es bei „die jetzt lächelt" einen zweiten entscheidenden Moment. Ich habe die Skulptur abgestaubt, mich zu ihr gesetzt und merkte: Sie hatte nichts von der Unbeschwertheit, nach der ich gesucht hatte. Irgendwie machte sie mich traurig. Also nahm ich mir Zeit, mich hineinzufühlen und herauszufinden, was diese Wirkung verursachte. Es brauchte keine große Korrektur, nur eine kleine, aber prägnante Veränderung in der Linienführung. Eine kaum merkliche Biegung. Und die Stimmung kippte von Schwere zu stiller Heiterkeit.
Erst danach bekam sie ihren Titel: „die jetzt lächelt".
Wenn die Form selbstverständlich wird
Der Titel entsteht bei mir nie am Anfang, sondern erst wenn die Skulptur vollendet ist und sich zeigt, was in ihr sichtbar geworden ist. Für mich ist eine Skulptur fertig, wenn zwischen Ausgangsthema und Form ein Einklang entstanden ist, wenn nichts mehr erklärt werden muss.
Bei „die jetzt lächelt" zeigt sich das in einer stillen Heiterkeit, die nichts beweisen muss:
Es ist, wie es ist. Ich bin da. Und lächle.
So entsteht aus einem inneren Thema, einem bewusst gewählten Stein und vielen präzisen Entscheidungen eine Skulptur, die als eigenständiges Gegenüber im Raum steht.
Einblicke in meine Werke
Der hier beschriebene Weg von der Leitfrage über den Stein bis zu den entscheidenden Momenten im Prozess ist kein Einzelfall, sondern die Arbeitsweise, die all meinen Skulpturen zugrunde liegt.
Übergeordnetes Thema ist für mich die Verortung: das Ankommen im eigenen Inneren ebenso wie im Äußeren - wie ein Nachhausekommen, in dem ich mich sicher und aufgehoben fühle. Innerhalb dieses Themas untersuche ich in Serien wie „schlicht gelassen" unterschiedliche Spannungsfelder. Dazu kommen freie Einzelarbeiten ohne Serienbezug, und auch Auftragsskulpturen folgen derselben Haltung und Formensprache.
Jede Skulptur nähert sich diesem Thema auf ihre eigene Weise.
Wenn du sehen möchtest, wie sich das zeigt, wirf gerne einen Blick in mein Portfolio.