Im Gespräch: Mein Weg zur Verortung in Stein

Über Stein, innere Mitte und die stille Kraft von Skulpturen.

Monika, wenn du deine Kunst nicht über Material oder Technik beschreiben würdest, sondern über ihre innere Bewegung: Worum geht es in deiner Arbeit?

In meiner Arbeit geht es um Verortung.

Damit meine ich ein Ankommen im eigenen Inneren und zugleich im Außen. Ein Nachhausekommen, bei dem ich mich sicher, verbunden und aufgehoben fühle. Es geht um Verwurzelung, Verbindung und stille Gegenwärtigkeit.

Vielleicht ist das eine der tiefsten Bewegungen in meiner Arbeit: die Bewegung zurück zur eigenen Mitte und das Gestalten aus dieser Mitte heraus.

Meine Skulpturen geben darauf keine Antwort im erklärenden Sinn. Sie übersetzen diese Suche in Form. Und weil sie aus einem Gefühl tiefer Verbundenheit entstehen, strahlen sie ruhige Klarheit und Selbstverständlichkeit aus.


Du arbeitest mit Stein - einem Material, das schwer, alt und widerständig ist. Gleichzeitig wirken deine Formen oft weich, ruhig und beinahe atmend. Was genau reizt dich an diesem Gegensatz?

Ich begegne Stein nicht als bloßem Material. Ich begegne ihm als lebendigem Gegenüber.

Er bringt etwas Eigenes mit: Dichte, Ruhe, Geschichte, Widerstand, aber auch Bewegung. Für mich ist Stein nicht starr. Er ist über Millionen von Jahren entstanden, immer wieder neu geformt und verwandelt.

Aus dieser Begegnung heraus suche ich in meinen Formen etwas Sanftes, Leichtes und Bewegliches. Ich möchte dem Harten nicht mit Härte begegnen, sondern mit Weichheit. Der Schwere nicht mit Kraft allein, sondern mit Hingabe, Sanftmut und innerer Sammlung.

Das ist für mich nicht nur ein gestalterischer Prozess, sondern auch eine Haltung: aus der eigenen Mitte heraus zu arbeiten. Nicht gegen den Stein, sondern mit ihm.

Und irgendwann entsteht daraus eine Form, in der beides spürbar ist: die Kraft des Materials und eine stille Leichtigkeit.


Dein Weg führte vom Steinmetzhandwerk über Gestaltung, Grabmalgestaltung und Kunsttherapie zurück zur freien Bildhauerei. Was hat sich in all diesen Stationen gesammelt, das heute in deinen Skulpturen weiterlebt?

Ich glaube, in meinen Skulpturen fließt alles zusammen, was mich auf meinem Weg geprägt hat.

Da ist zuerst das ganz klassische Handwerk. Ich habe Steinmetzin gelernt, im Steinbruch, auf Baustellen, in der Restaurierung. Dieses Wissen um Material, Werkzeug, Form und Oberfläche ist tief in mir verankert.

Dann kam die gestalterische Ausbildung dazu: Formgebung, Proportion, Balance, der Blick für das Wesentliche. Später die Kunsttherapie, in der die Gestaltung freier wurde und stärker mit inneren Bewegungen verbunden war.

Als ich 2019 wieder zum Stein zurückkam, war das nicht einfach ein Neubeginn. Es war eher eine Rückkehr zu meiner Quelle. Alles, was ich vorher gelernt, erlebt und durchlebt hatte, war plötzlich da. Nicht als Konzept, sondern wie eine gespeicherte Erfahrung im Körper. Und daraus konnten die Skulpturen in einer neuen Selbstverständlichkeit entstehen.


Für welche Menschen entstehen deine Skulpturen? Nicht im Sinne einer Zielgruppe, sondern im Sinne einer inneren Sehnsucht: Wer fühlt sich von deiner Kunst angesprochen?

Meine Skulpturen entstehen für Menschen, die sich nach Ruhe, Klarheit und einem inneren Ankommen sehnen.

Oft sind das Menschen, die im Alltag privat oder beruflich viel Verantwortung tragen. Menschen, die viel gestalten, entscheiden, führen oder für andere da sind. Und die spüren, wie wichtig es ist, in sich selbst verankert zu bleiben.

Deshalb stehen meine Skulpturen sowohl in privaten Wohnräumen als auch in Unternehmen, Führungsetagen und Kunstsammlungen. Sie wirken dort nicht als Dekoration, sondern als stille Präsenz im Raum.

Was mich besonders berührt, ist, wenn Menschen mir sagen, dass eine Skulptur für sie zu einem Anker im Alltag geworden ist. Auch ganz körperlich: die Kühle des Steins, die ruhige Oberfläche, die weiche Form.

Ich glaube, genau deshalb fühlen sich Menschen von meinen Arbeiten angesprochen. Weil sie an die Verbindung mit der eigenen Mitte erinnern. Weil sie Momenten Halt geben und dem Blick Ruhe schenken - innen wie außen.


Was ist das Schönste an deiner Arbeit? Und was fordert dich am meisten heraus?

Das Schönste ist der Moment, in dem eine Form lebendig wird. Wenn aus einem Stein nach und nach etwas Wesenhaftes hervortritt, das ich nicht machen kann, sondern nur wahrnehmen und weiterverfolgen.“

Ich liebe auch diesen Weg vom Groben ins Feine. Erst die körperliche Arbeit, das Herausholen der Form. Dann die immer feineren Schichten, das Schleifen, das Prüfen mit den Händen, bis sich eine Stimmigkeit einstellt.

Herausfordernd ist, wach zu bleiben. Nicht zu schnell zu wissen, was entstehen soll. Nicht zu viel zu wollen. Ich muss mich immer wieder dabei ertappen, wenn ich anfange, mir etwas auszudenken oder eine Form zu sehr zu konstruieren. Dann braucht es Loslassen. Zurückgehen. Wieder spüren.

Vielleicht ist genau das die größte Herausforderung: dem Prozess zu vertrauen und gleichzeitig sehr klar, aufmerksam und ehrlich mit der Form zu bleiben.


Was wünschst du dir, was geschieht, wenn jemand einer deiner Skulpturen begegnet - im Raum, im Körper, vielleicht auch im Inneren?

Ich wünsche mir, dass etwas ruhiger wird.

Viele Menschen reagieren auf meine Skulpturen sehr körperlich. Sie werden stiller, möchten näherkommen, die Oberfläche berühren, mit der Hand über die Form streichen. Diese Berührung ist für mich wichtig, weil meine Skulpturen nicht nur betrachtet werden wollen. Sie sind dreidimensional, körperlich, gegenwärtig.

Wenn jemand einer Skulptur begegnet, wünsche ich mir, dass ein Gefühl von Verlässlichkeit entsteht. Vielleicht auch von Zuversicht. Etwas wie: Ich darf hier sein. Ich darf mich sammeln. Ich darf bei mir ankommen.

Im besten Fall wird die Skulptur im Raum wie ein lächelnder Anker zu einem stillen Gegenüber: sanft, klar und beständig.

 
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Skulptur im Raum: Ein praktischer Ratgeber

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Ein Blick hinter die Kulissen: Die Entstehung einer Skulptur